5 Dinge, die ihr zur Ausgliederung des 1.FCM wissen müsst

Veröffentlicht in: 1 FC Magdeburg | 2

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Der deutsche Profifußball steht im Wandel der Zeit. Die Wirtschaft, als ein abstraktes Konstrukt, verändert ihre Rolle im Volkssport. Es ist kein Tabu mehr, sich wirtschaftliche Partner zu suchen. Die Entwicklung zeigt, dass dies sogar notwendig ist, um im Fußball den Erfolg zu sichern. Dass sich die Fußballvereine zu Wirtschaftsunternehmen entwickeln, scheinen nun auch die alteingesessenen Fußballnostalgiker zu realisieren. Doch zwischen dem Marketingkonzept eines Fußballverein für ein Brausegetränk und der wirtschaftlichen Neuausrichtung und Umstrukturierung, passen mehr als nur ein paar Fußballschuhe. Wir zeigen euch fünf Aspekte, die ihr bei einer „Ausgliederung der Profiabteilung“ beachten solltet.

1. Was bedeutet eine Ausgliederung?
Für den treuen Fußballfan, dem seine Stimme auch bei eisigen Temperaturen beim Anfeuern seiner Mannschaft einfriert, ist es die Kapitulation vor dem Bösen, dem Geld. Er sieht hier das Ende der Tradition und damit verbunden, das Ende der Fankultur. Klatschpappen statt Choreo, Bevormundung statt Mitbestimmung. Doch schauen wir auf das Grundprinzip einer Ausgliederung.

Seit ihrer Gründung agieren Fußballvereine als ein „eingetragener Verein“, ein e.V. Die Umwandlung eines e.V hat den Zweck, die wirtschaftlichen Abläufe zu vereinfachen. Die Ausgliederung der Profiabteilung vom gesamten Verein schafft neue Räume für Kapitalanlagen, um den gestiegenen Kapitalbedarf (Gehälter etc.) in der heutigen Zeit zu decken. Außerdem haben die Vereine den Status der Gemeinnützigkeit. Dieser ist jedoch gefährdet, wenn sich der Verein wirtschaftlich betätigt, wie es aufgrund der Wettbewerbsfähigkeit immer öfters vorkommt. So bedeutet eine Ausgliederung eine Gründung eines neuen Gesellschaftszweigs am Verein, der einen liberaleren Zugang zum Markt besitzt. Aufgrund der „50+1“ Regel des DFB und der DFL dürfen die Anteilseigner eines Vereins jedoch nicht mehr als 50% des Vereins besitzen, was dem jeweiligen Verein die Kontrolle zusichert.

2. Welche Modelle gibt es bei einer Ausgliederung?
Die beliebtesten Modelle bei einer Ausgliederung sind die GmbH, GmbH&Co.KG oder die Aktiengesellschaft. Alle drei Formen sind Kapitalgesellschaften, die meist einem wirtschaftlichen Zweck folgen. Des öfteren sind Unternehmen eine Kapitalgesellschaft, weil sie sich damit externen Geldquellen öffnen und so ihr Kapital vergrößern können. Auch aus steuerrechtlichen Gründen unterscheidet sich eine Kapitalgesellschaft von einem eingetragenen Verein.

Das liebe Geld – spielt sowohl bei den Fans als auch im Hauptverein eine große Rolle.

3. Welche bekannten Beispiele gibt es?
Das wohl mit Abstand erfolgreichste Beispiel im deutschen Fußball ist der 1. FC Bayern München. Mit seiner Pionierarbeit hat sich der Verein aus Bayern als Erster neuen Geldquellen zugewandt. Mit 75,1% gehört die Mehrheit der Bayern München AG dem FC Bayern München selbst. Mit einem Anteil von jeweils 8,3% besitzt der Verein dazu noch drei Anteilseigner: Adidas, Audi und Allianz. Die drei A’s helfen dem Rekordmeister in jeder Saison, den Konkurrenten ihre Grenzen aufzuzeigen. Mit lediglich vier Mannschaften spielt nur eine kleine Gruppe von Vereinen in der Bundesliga noch als e.V mit.

Doch neben dem VfB Stuttgart, FSV Mainz 05, SV Darmstadt 98 gelingt es nur dem FC Schalke 04 sich regelmäßig für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. In der 3.Liga haben vor kurzem die Mitglieder von Hansa Rostock für eine Ausgliederung der Profiabteilung gestimmt. Laut Verein ist das die Rettung der schwächelnden Hansa.

4. Was plant der 1.FC Magdeburg? Welche Vorteile bringt das?
Auch der 1.FC Magdeburg blickt nach seinem Aufstieg in den Profifußball in die Zukunft. Eine Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Verein soll die Wettbewerbsfähigkeit in der 3.Liga garantieren und neue Möglichkeiten eröffnen. Dafür wird am Anfang des kommenden Jahres die Stadion- und Sportmarketing Gesellschaft(SSG) wieder genutzt. Dessen hauptamtlicher Geschäftsführer wird Mario Kallnik. Damit nimmt man den großen Einfluss und Druck der Profiabteilung des 1.FCM vom Hauptverein und minimiert das finanzielle Risiko für den Breitensport. Außerdem werden dadurch Kosten und Gewinn des Vereins in eine Gesellschaft zusammengeführt. So würde sich die SSG vorwiegend um die wirtschaftlichen Aspekte, wie die Gehälter der Spieler kümmern. Laut Aufsichtsratsvorsitzenden Lutz Petermann würde sich für die Fans nichts ändern.

5. Welche Bedenken sind zu äußern?
Da wäre zunächst der Termin für die Ausgliederung. Diese soll im März 2016 bei der Erteilung der Lizenz ausgeführt werden. So wird zwar von der Vereinsseite von einem achtköpfigen Expertenteam gesprochen, welches sich zurzeit dem Thema widmet, dennoch scheint der Zeitraum für ein solches Projekt etwas kurzfristig eingeräumt. Darüber hinaus gibt es auch leichte Mängel an der Kommunikationsstrategie des 1.FCM zu äußern. Zwar gab es im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 05. November eine Informationsveranstaltung bezüglich der Ausgliederung, die mit einem positiven Ausgang zu Ende gegangen ist. Allerdings haben lediglich 200 Mitglieder dran teilgenommen. Das ist nur ein geringer Anteil der Mitglieder des Vereins, wenn man weiterhin die Anzahl der Fans dazurechnet, die keine Mitglieder sind.

elbsport.com/Nicolas Stange

Fotos: Oliver Wiebe

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2 Antworten

  1. Perfektionist

    Zitat: „…Mit 75,1% gehört die Mehrheit der Bayern München AG dem FC Bayern München selbst. Mit einem Anteil von jeweils 8,33% besitzt der Verein dazu noch drei Anteilseigner:…“

    Das sind aber mehr als 100% !

    • Nicolas Stange

      Hallo Perfektionist,
      sie machen Ihrem Namen alle Ehre. Natürlich meinten wir 8,3% Anteile, sodass wir auf einen Gesamtwert von 100% kommen. Wir wünschen Ihnen noch ein angenehmes Wochenende.
      Ihr elbsport.com-Team

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