Dank Kinsombi – Die Renaissance der Manndeckung beim FCM

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Der 1.FC Magdeburg gewinnt das Ostderby gegen den FC Hansa Rostock. In einer leidenschaftlichen Partie auf dem Platz sowie auf den Rängen erzielen die Magdeburger nicht nur vier Tore, sondern schieben sich durch den Sieg wieder auf den vierten Tabellenplatz vor. Nach der großen Rotation zur Wochenmitte überrascht Trainer Jens Härtel auch an diesem Spieltag mit einer taktischen Umstellung.

Magdeburg – Er verschwand zunächst in den Katakomben des Heinz-Krügel-Stadions: „Ich komme wieder raus.“ Mit diesen Worten vertröstete er die wartenden Medienvertreter. Einige Minuten vergingen und der gefragte Mann tauchte aus der Kabine auf, wie er es versprochen hatte. Doch war er lediglich nur für einen kurzen Wimpernschlag zu sehen, ehe er wieder verschwand. Die Zeiger der Uhr drehten sich weiter, bis er sich letztendlich den Fragen der Journalisten stellte. Da stand er nun, der junge deutsch-kongolese David Kinsombi. Im Winter wurde er mit der Hilfe von Maik Franz von Eintracht Frankfurt geholt, damit er im Sommer weiter zum Karlsruher SC wechseln kann. Mit seinen gerade einmal 20 Jahren absolvierte er diese Saison bereits zwei Kurzeinsätze für die Eintracht in der Bundesliga und lief auch nach seiner Leihe an die Elbe fünfmal für die Blau-Weißen auf. Auch gegen den Abstiegskandidaten bildete er neben Christopher Handke die Innenverteidigung des Aufsteigers. Dass er bei der großen Rotation am vergangenen Spieltag gegen den VfR Aalen von Trainer Jens Härtel geschont wurde, lässt andeuten, dass sich Kinsombi in dieser kurzen Zeit schon zu einem Leistungsträger des FCM etabliert hat. Mit ihm in der Mannschaft kann Härtel seine taktische Ausrichtung variieren, da Kinsombi ihm zusätzlich „enorme Qualitäten und Schnelligkeit“ bescheinigt.

„Mit ihm kann ich Mann gegen Mann spielen“

In dieser Schnelligkeit sieht Härtel einen neuen Trumpf für sein System. Und das musste in diesem Spiel insbesondere Hansa-Stürmer Marcel Ziemer zu spüren bekommen. David KinsombiDie einzige Spitze der Hanseaten dürfte in der vergangenen Nacht noch Alpträume vom jungen Verteidiger gehabt haben, sofern er überhaupt schlafen konnte. Kinsombi klebte wie eine Klette an dem Stürmer, der nach der furiosen letzten Saison mit 15 Treffern nun seiner Form hinterherläuft und in dieser Spielzeit auf lediglich drei Treffer kommt. Trotzdem setzte Härtel den Deutsch-Kongolesen als persönlichen Bewacher von Ziemer ein und nahm ihn somit auf eine beeindruckende Weise aus dem Spiel. Die Renaissance der Manndeckung erlebte im Heinz-Krügel-Stadion ihren Höhepunkt als sich Kinsombi beim Stand von 3:1 in den letzten Minuten noch in jeden Zweikampf gegen den agilen Stürmer aus Rostock warf. Nahezu jeder Zweikampf ging an den 20-Jährigen und ließ die einzige Sturmspitze des Gegners verzweifeln. Am Ende bleibt ein abgefälschter Freistoß der einzige Wehrmutstropfen auf einer sonst tadellosen Abwehrleistung des FCM.

Bescheidenheit als gute Tugend

Doch was sagt eigentlich der junge Spieler selbst über seine Leistung, die auf Anhieb gestandene Größen des Vereins wie Steffen Puttkammer auf die Ersatzbank verdrängt hat? Er konzentriert sich auf die elementaren Dinge seines Sports. Als Verteidiger sei es natürlich seine Aufgabe so viele Gegentore wie möglich zu verhindern. Auf einen Ego-Trip scheint Kinsombi auch nicht so schnell zu geraten: „Wir haben im Verbund sehr gut verteidigt und ich kann stolz auf meine Mannschaft sein.“ Sehr diplomatisch hebt er die Mannschaftsleistung insgesamt vor seine Leistung. Auch wenn sie schon sehr früh in den Fußballschulen den Medienumgang erlernt bekommen, erwartetet man von jungen Spielern dann vielleicht doch etwas mehr Begeisterung über die eigene Leistung. Dadurch überrascht die Haltung von Kinsombi ein wenig. Eine Auszeichnung zum Spieler des Spiels würde er auch ungern annehmen, da „Marius (Sowislo, Anm. der Red.) zwei Tore gemacht hat“, obwohl eines davon ein Elfmetertor war, „den man trotzdem erst einmal reinmachen muss.“

Dass sich die Wege zwischen Kinsombi und dem FCM trennen werden, steht schon seit seiner Verpflichtung fest. Dass ein Spieler mit seiner Qualität dem FCM fehlen wird, weiß auch Jens Härtel, der „ihn gerne verpflichten würde“. Dass „wenn wir ihn hier gut ausbilden, das als Referenz für uns bestehen bleibt”, scheint nur ein kleiner Trost zu sein. Für die letzten Spiele wünscht sich David Kinsombi übrigens, dass er und die Mannschaft „so viele erfolgreiche Spiele wie möglich machen.“ Mit einer Leistung wie gegen Hansa Rostock und der neuen taktischen Ausrichtung der Manndeckung sollte dies durchaus möglich sein.

elbsport.com / Nicolas Stange

Foto: Fotodesign-axelkammerer

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