Das Wirrwarr um die Gürtel

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Tom Schwarz wird am 14. November um den WBO-Gürtel des Juniorenweltmeisters kämpfen. Dieser Kampf wird unter der Flagge der WBO zum ersten Mal in der Schwergewichtsklasse vergeben. Doch was bedeutet dieses Kürzel überhaupt. Und wie kann das sein, dass Ramona Kühne Weltmeisterin “nach Art der WIBF, WBO und WBF” ist? Und das auch in mehreren Gewichtsklassen? Wir schaffen Klarheit.

WBO, WBA, WBC, IBF – Was der Buchstabensalat bedeutet

Diese zugegebenermaßen kryptischen Kürzel stehen allesamt für verschiedene internationale Boxverbände. Der älteste im Bunde ist die “World Boxing Association”. In der heutigen Form gibt es diesen Verband seit 1962. Die Geschichte der WBA geht aber bis 1921 und zur Gründung der NBA (National Boxing Association), die als weltgrößter Boxverband in Amerika gegründet wurde. Titelträger waren unter anderem Max Schmeling, Muhammad Ali oder Joe Frazier. Letztgenannter war auch im zweitältesten Verband Weltmeister, der sich aus Protest ein Jahr nach der Umbennung der NBA gründete – der sogenannte “World Boxing Council”. Auch dieser Verband hat und hatte große Boxer in seinen Reihen, aber einen nicht. Der WBC Weltmeister-Gürtel ist der einzige, der sich nicht in der stolzen Sammlung von Wladimir Klitschko befindet. Dafür konnte er die Gürtel der “International Boxing Federation” und der “World Boxing Organisation” erkämpfen. Erstere wurde wegen internen Machtkämpfen in der WBA im Jahr 1983 gegründet. Die jüngste der Big Four ist die WBO, die 1988 aus der Taufe gehobden wurde und in Europa besonders populär ist. Grund für die Gründung waren auch hier Machtkämpfe und fehlender Konsens über die Wettkampfregeln. Neben den genannten Verbänden gibt es noch zahlreiche weitere, die aber in ihrer Bedeutung nicht an diese heranreichen.

Weltmeister in mehreren Gewichtsklassen

Ähnlich wie SES-Boxerin Ramona Kühne, die Weltmeisterin im Superfedergewicht und im Leichtgewicht ist, gibt es einige Boxer, die Gürtel in mehreren Gewichtsklassen halten. Wohl berühmtestes Beispiel dafür ist “The Money” Floyd Mayweather. Er besitzt in den Verbänden WBA und WBC vier Weltmeister-Gürtel im Halbmittelgewicht und Weltergewicht. Da sich diese Klassen um nur etwa fünf Kilo unterscheiden ist es durch einen professionellen Ernährungsplan und regelmäßiges Training nicht weiter schwer in beiden Klassen anzutreten. Trotzdem erfordert dies viel Disziplin. Es gibt auch Boxer, die ihre Gewichtsklasse wechseln, um größeren Erfolg zu haben. Erst kürzlich haben beispielsweise Robert Stieglitz und Robin Krasniqi getauscht und treten ab jetzt in neuen Gewichtsklassen an.

Zwei WBA-Weltmeister in der selben Gewichtsklasse

Mancher mag sich jetzt wundern, dass auf Wikipedia zwei WBA-Weltmeister – Wladimir Klitschko und Ruslan Chagaev – in der selben Gewichtsklasse den Titel halten. Das lässt sich durch Boxer erklären, die viele Gürtel auf einmal in ihrem Besitz. Wegen Champions wie Klitschko und Mayweather hat man vor einiger Zeit den Titel des Verbands-“Superchampions” oder auch “Unified Champions” eingeführt, der dann in Kraft tritt, wenn ein Boxer Titel in allen vier Verbänden inne hat oder hatte. Dieser “unumstrittene Weltmeister” steht über den einfachen Weltmeistern und gilt als höchste Auszeichnung im Boxgeschäft. Den Titel einmal errungen, kann der jeweilige Boxverband diesen Boxer dauerhaft als Superchampion anerkennen und den einfachen Titel neu vergeben.

Was genau ist die Junioren-Weltmeisterschaft?

In der Regel haben Boxer, die um eine reguläre Weltmeisterschaft schon einige Kämpfe und viele Jahre Erfahrung auf dem Buckel. Mit der Junioren-Weltmeisterschaft soll vor allem jungen aufstrebenden Boxern die Möglichkeit gegeben werden, sich zu präsentieren. Auch der jetzt interkontinentale Champion der WBO im Halb-Schwergewicht, Dominic Bösel, wurde 2013 Junioren-Weltmeister. Für gewöhnlich ist es für junge Boxer ein Schritt, um ihre Karriere auf die nächste Ebene zu hieven. Ulf Steinforth sieht es für seinen Schützling Tom Schwarz vor allem als Möglichkeit “zum Üben”, wie er nach der Boxgala in der Belantis-Arena sagte. Man könnte es auch “Weltmeisterschaft auf Probe” nennen.

elbsport.com / Philipp Schöner

Fotos: Verbände

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