Der Ostbomber-Die Jahre des Joachim Streich beim FCM

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Am 22. Dezember diesen Jahres zelebriert der 1. Fußballclub Magdeburg sein 50-jähriges Bestehen. Die Historie des Clubs ist dabei geprägt von Auf und Abs, Erfolgen auf internationaler Ebene und viertklassigem Fußball, großer Euphorie und Insolvenz. Das Alles ist für elbsport.com Grund genug die Geschichte der Blau-Weißen Kicker zum Jubiläum Revue passieren zu lassen. Heute: 1975 bis 1985 – Die Wogen des Erfolgs glätten sich.

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65-74 war die große Zeit des FCM. Die folgenden 10 Jahre können sich ebenfalls sehen lassen.

Nachdem die Magdeburger Fans nach den Meisterschaften 1974 und 1975 und dem Europapokalsieg 1974 in einem Meer von Glücksgefühlen badeten, begann auch die Saison 75/76 vielversprechend: Vom Oberliga Absteiger Hansa Rostock wechselte DDR-Rekordstürmer Joachim Streich an die Elbe. Der Neuzugang hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 58 Oberliga Tore in 141 Spielen für die Rostocker erzielt. Direkt im ersten Punktspiel für die Bördestädter gegen die BSG Stahl Riesa stellte er sein Können unter Beweis. Er erzielte den 2:1 Führungstreffer und sicherte damit den 5:1 Sieg am ersten Spieltag. Im Europapokal der Landesmeister schied man in der 1. Runde unglücklich gegen den schwedischen Vertreter Malmö FF aus. Nachdem man die 1:2 Niederlage aus dem Hinspiel mit einem 2:1 Heimsieg egalisierte, musste das Elfmeterschießen über das Weiterkommen entscheiden. Beim 1.FCM war an diesem Tage jedoch nur Wolfgang Steinbach fähig den Ball vom Punkt aus zu versenken und so verlor man das Elfmeterschießen mit 1:2. Obwohl Streich und Sparwasser im Laufe der Oberliga  Saison jeweils 13 Treffer erzielten, reichte es am Ende der Saison „nur“ für den dritten Platz und die Qualifikation für den UEFA Pokal.

Trainerwechsel und Pokalerfolge

Die Saison 1976/1977 begann mit einem Schock für den 1.FCM. Erfolgstrainer Heinz Krügel wurde vom DDR-Fußballverband auf Lebenszeit als Trainer gesperrt. Als offizielle Begründung gab der Verband an, Krügel habe die Leistungsentwicklung der Olympiakader beim 1.FC Magdeburg nicht genügend gefördert. Tatsächlich wurde Krügel wohl gesperrt, weil er seine Arbeit durch die SED-Bezirksleitung nicht beeinflussen lassen wollte. So lehnte er es zum Beispiel ab von der Stasi abgehörte Anweisungen von Bayern Trainer Udo Lattek im Achtelfinalspiel des Europapokals 1974 zu verwerten. Sein Nachfolger wurde Klaus Urbanchzyk.

In seiner ersten Saison führte der neue Trainer seine Mannschaft direkt in Viertelfinale des UEFA Pokals. Allerdings war man dort dem späteren Titelträger Juventus Turin  mit 1:3 und 0:1 unterlegen.

In der DDR-Oberliga konnten die Magdeburger lange Zeit am amtierenden Meister aus Dresden dranbleiben.  Am 25.Spieltag hätte der Europapokalsieger von 1974 jedoch gegen den Erzrivalen gewinnen müssen um am letzten Spieltag noch eine Chance auf den Titelgewinn zu haben. Doch das Spiel endete 0:0 und so wurde der 1.FC Magdeburg in dieser Saison Vize Meister und qualifizierte sich erneut für den UEFA Pokal. Allerdings stellten die Jungs von der Elbe mit Joachim Streich den Torschützenkönig der Liga, er erzielte 17 Treffer.

Ein historischer Sieg auf Schalke

Auch auf die darauffolgende Europapokal Saison dürfen die Fans des FCM mit Zufriedenheit zurückblicken. Zunächst schalteten sie den polnischen Vertreter Odra Opole aus. In der zweiten Runde wartete dann jedoch ein echter Hammer auf den Europapokalsieger von 1974: Mit dem FC Schalke 04 wurde der aktuelle Tabellenführer der Bundesliga gezogen. 36.000 Zuschauer kamen ins Ernst Grube Stadion, um zu sehen wie Jürgen Sparwasser gegen die Schalker 3 Tore erzielte und Wolfgang Steinbach noch ein Weiteres nachlegte. Lediglich die Treffer von Herbert Demange und Rüdiger Abramczik ließen die Gäste aus dem kapitalistischen Ausland noch auf ein Weiterkommen hoffen. Beim Rückspiel auf Schalke wollte der Heimtrainer vor allem Jürgen Sparwasser aus dem Spiel nehmen und so dafür sorgen das die Magdeburger kein Tor erzielen würden. Zwar gelang es den Gelsenkirchenern Sparwasser nicht zum Zuge kommen zu lassen, dafür sorgten jedoch Jürgen Pommerenke und Wolfgang Steinbach für die 2:0 Halbzeitführung der Bördestädter. Kurz nach Wiederanpfiff entschied Jürgen Pommerenke mit seinem zweiten Treffer des Abends das Spiel. Zwar erzielte Erwin Kremers kurz danach den Anschlusstreffer für die Schalker, doch war dieser Treffer nur Ergebniskosmetik. Damit zog der 1.FCM in die nächste Runde ein und fügte dem FC Schalke 04 die bis heute einzige Europapokal Niederlage im Parkstadion zu.

In der dritten Runde konnte man dann den RC Lens ausschalten, bevor man im Viertelfinale gegen den späteren Titelträger aus Eindhoven knapp nach 1:0 Heimsieg und 2:4 Auswärtsniederlage ausschied. In der Meisterschaft gab es wieder das Duell Magdeburg gegen Dresden. Nachdem die Blau-Weißen die Hinrunde noch als Tabellenerste abschlossen, wurden sie in der Rückrunde von den Dresdnern eingeholt. Die entscheidende Niederlage erlitten die Magdeburger am vorletzten Spieltag, ausgerechnet beim Lokalrivalen aus Halle mit 1:2. Dadurch konnte Dynamo sich absetzen und am Ende der Saison die dritte Meisterschaft in Folge gewinnen. Es war die letzte Saison für den 1.FCM, in der sie um die DDR-Meisterschaft mitspielten. Dafür erreichte man in dieser Saison mal wieder das Finale des FDGB Pokals, wo die Blau-Weißen auf den amtierenden Meister aus Dresden trafen. Die Magdeburger dominierten das Spiel über die gesamte Spielzeit. Aber das Spiel blieb, weil bis auf ein Treffer von Manfred Zapf kein weiteres Tor fallen wollte, bis zum Schluss spannend. Da die Dynamo Offensive an diesem Tage nichts zu Stande brachte, konnte der FCM am Ende des Tages zum fünften Mal den Pokal mit nach Hause nehmen.

Saison 78/79 – Nur der FDGB-Pokal bleibt dem FCM

In der nächsten Saison durften die Magdeburger also wieder im Europapokal der Pokalsieger starten. Wieder kam das Aus im Viertelfinale. Gegen Banik Ostrava aus der Tschechoslowakei gewann man daheim zunächst mit 2:1. Doch das Rückspiel in Ostrava wurde mit 2:4 verloren. Der spielentscheidene Treffer für die Tschechen fiel erst 3 Minuten vor Schluss. In der DDR-Oberliga spielte der FCM das erste Mal seit 1972 nicht um die Meisterschaft mit und belegte am Ende den Vierten Platz. Am 26.Spieltag gelang es Joachim Streich beim 10:2 Sieg der Magdeburger gegen die BSG Chemie Böhlen sechs Treffer zu erzielen, das war DDR-Oberliga Rekord. Streich war mit 229 Toren außerdem Rekordtorschütze der DDR-Oberliga und mit 55 Treffern in 102 Länderspielen ebenfalls Rekord Nationalspieler und Torschütze in der DDR. Man nennt ihn auch heute noch den „Gerd Müller des Ostens“.

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Schon immer stolzer Rückhalt des FCM – die einmaligen Magdeburger Fans

Meister wurde mit großem Abstand der BFC Dynamo Berlin, vor Dynamo Dresden und Carl Zeiss Jena. Streich gelang es auch am 23.Spieltag gegen den BFC Dynamo den 1:0 Siegtreffer zu erzielen, damit fügten die Magdeburger dem amtierenden Meister die einzige Niederlage in dieser Oberliga-Saison zu. Im Finale des FDGB-Pokals sollte der Europapokalsieger von 1974 wieder auf den Meister aus Berlin treffen. 50.000 Zuschauer im Stadion der Weltjugend sahen ein hochklassiges Fußballspiel mit hohem Tempo. Beide Mannschaften erarbeiteten sich zahlreiche hochkarätige Chancen. Allerdings sorgten Bodo Rudwaleit im Berliner- und Dirk Heyne im Magdeburger Tor dafür, dass es nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand. Doch die Blau-Weißen bewiesen ihren längeren Atem. In der 101.Spielminute beförderte Wolfgang Seguin, nach einer Ecke von Jürgen Sparwasser, den Ball per Flugkopfball ins Tor. Dadurch errang der 1.FC Magdeburg in seinem sechsten Endspiel zum sechsten Mal den DDR-Fußballpokal.

Die Legenden gehen, das Mittelmaß kommt

In der anschließenden Sommerpause beendeten die beiden FCM Legenden Manfred Zapf und Jürgen Sparwasser ihre Karrieren. Im FDGB Pokal schied man in der Saison 78/79 bereits im Achtelfinale aus, nachdem man 4:3 nach Verlängerung gegen die BSG Stahl Riesa verloren hatte. Im Europapokal schied man bereits in der zweiten Runde gegen Arsenal London aus. In der Oberliga landeten die Magdeburger auf dem vierten Tabellenplatz und konnten sich so wenigstens für den UEFA Pokal qualifizieren.

In der folgenden Saison wurde der FCM noch einmal Dritter in der Oberliga, konnte aber den Meister aus Berlin zu keinem Zeitpunkt der Saison gefährlich werden. Nachdem die Bördestädter in den nächsten beiden Spielzeiten nur den sechsten Platz in der Oberliga erreichen konnten, trennte sich der Verein von seinem Trainer Klaus Urbanczyk. Sein Nachfolger wurde Claus Kreul.

Nachdem die erfolgreiche Generation der 1970er Jahre ihre Fußballschuhe an den Nagel hing, versuchte der Verein wieder zahlreiche junge Talente aus der Region in der Mannschaft zu integrieren. Allerdings konnte diese neue Generation Spieler nicht mit den Spitzenteams der DDR-Oberliga mithalten. Am Ende der Saison landete man zumindest hinter den Spitzentrio BFC Dynamo Berlin, Dynamo Dresden und dem 1.FC Lokomotive Leipzig.

Der letzte große Titel 

In der Saison 1982/83 sollte der Europapokalsieger von 1974 seinen (vorerst) letzten großen Titel gewinnen. Nachdem man in der Liga nur Sechster wurde, traf man im Halbfinale des FDGB-Pokals auf den Erzrivalen aus Dresden. Die Blau-Weißen schossen den Favoriten aus Dresden mit 4:1 aus dem Hans Krügel Stadion und durften zum 7. Mal in der Vereinsgeschichte zum Pokalendspiel nach Berlin reisen. Dort trafen sie auf den Neunt-platzierten der abgelaufenen Saison, den FC Karl-Marx-Stadt. Zwei Tore von Joachim Streich und jeweils eines von Axel Wittke und Jürgen Pommerenke sorgten für einen klaren 4:0 Sieg für die Jungs von der Elbe. Mit sieben Pokalsiegen ist der 1.FCM, gemeinsam mit Dynamo Dresden, Rekordpokalsieger der DDR.

Der beste Spieler aller Zeiten zerstört den FCM

Außerdem weisen sie mit sieben Siegen in sieben Endspielen eine perfekte Finalbilanz auf. Im nachfolgenden Europapokal der Pokalsieger trafen die Magdeburger auf den FC Barcelona. 70.000 Zuschauer wollten das Spiel gegen die Katalanen sehen, leider hatte das Ernst-Grube-Stadion nur 32.000 Plätze anzubieten. Angeführt vom “blonden Engel” Bernd Schuster und “Fußball-Gott” Diego Maradona wurden die Magdeburger jedoch mit 5:1 abgefertigt. Es wurde deutlich, dass die Bördestädter nicht mehr auf internationaler Ebene mithalten konnten. Dieses Ergebnis war auch die höchste internationale Niederlage für den 1.FC Magdeburg.

 

elbsport.com / Richard Leimbach

Fotos: Philipp Schöner

Video: youtube/RRStorage

 

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