Der Schock, die Hoffnung, die Ekstase

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Sonntag, der Derby-Sieg. Ich habe es noch im Kopf, als wäre es gestern und nicht erst vorgestern gewesen. Der 1.FCM gegen den HFC. Die perfekte Begegnung, die perfekten Kontrahenten für ein spannendes Spiel. Die Elb- gegen die Saalestädter, Die zweitgrößte gegen die größte Stadt Sachsen-Anhalts, die Blauen gegen die Roten. Bei so vielen Gegensätzen und Unterschieden schreibt sich die ewige Rivalität ja fast wie von selbst. Auch mich hat das blau-weiße Fußball-Fieber gepackt und ich ertappe mich bei Gedanken wie „Alle gegen Halle“ und „keiner wird es wagen…“ Dass auch ich mir die Partie am Sonntag angeguckt habe, ist also klar. Und was für ein Match das war.

Ein Erlebnis-Bericht von Philipp Schöner

Durch ganz Magdeburg konnte man die zuversichtlich gröhlenden Fans hören, als sie zum Stadion wanderten. Blau-weiße Menschenströme, die sich wie Schlangen zum Stadion bewegten. Zu dem Ort, wo sich alle sportliche Hoffnung der Ottostadt konzentriert. Und dieses Wochenende war sie besonders hoch. Hatte der FCM doch die Möglichkeit durch einen 4:0 Sieg die Tabellenspitze zu erklimmen. So unwahrscheinlich es war, der Funke Hoffnung war doch da.

Der Schock

Also nichts wie ab vor den Fernseher und das Spiel gucken. Unmittelbar nach dem Anpfiff ging ich noch schnell in die Küche, um ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen. Ich stapfte zurück in das Wohnzimmer und dann der Schock – Nach 27 Sekunden das erste Gegentor. Mir blieb der Mund offen stehen. „Ein Tor in der ersten Spielminute hieß noch nie etwas Gutes“, dachte ich mir im Stillen. Aus der Traum von der Tabellenführung. Jetzt hieß es zusammenreißen, hinsetzen und Daumen drücken. „Wenigstens noch ein Unentschieden“, hoffte ich. Viel Unsicherheit, Fehler, doch schließlich war der FCM wieder einigermaßen stabil. Eins, zwei gute Chancen. Dann der erneute Schock: Razeek ging in den Zweikampf mit Brügmann und sah gelb. „Bitter“, dachte ich, „blöde Situation“. Es ging wieder Richtung Magdeburger Tor und wieder suchte Razeek in der Abwehr den Zweikampf mit Osawe. Foulspiel. „Nein, nicht Gelb-Rot, bitte nicht Gelb-Rot“, dachte ich und schlug die Hände über den Kopf zusammen. Fuchs rannte zum Schiri, gestikulierte, diskutierte und musste zusehen, wie der Offizielle Marco Fritz erst die gelbe und dann die rote Karte in die Höhe hielt. Ich hatte das Spiel zu diesem Zeitpunkt innerlich schon abgeschrieben.

Die Hoffnung

Die folgenden Spielminuten bestanden aus bangen und zittern. Immer wieder kam Osawe in den Strafraum und hatte gute Chancen. Die Magdeburger hatten zum Teil mehr Glück als Verstand, doch einer war unermüdlich und gab nicht auf: Routinier Lars Fuchs. Und dann kam die 34. Minute, nach einem Foul machte sich der Mann mit der Nummer 7 für einen Freistoß bereit. Die Spannung in mir stieg. „Komm schon, komm schon“, feuerte ich ihn innerlich an. Er holte ein letztes Mal Luft, schoss hoch auf rechts, und da stand Beck mutterseelenallein und setzte den Ball in die Maschen. „JA!“ schrie ich auf. Ausgleich! „Jetzt den Spielstand in die Pause bringen“, bangte ich die 11 Minuten bis zur Halbzeit. Doch Glinker ließ nichts mehr anbrennen hielt den Kasten trotz gefährlicher Aktionen von Osawe sauber.

Die Ekstase

Es schien fast so, als wollten es die beiden Clubs anlässlich ihrer 70. Begegnung besonders spannend machen. Mit neuer Hoffnung machte ich mich an die 2. Halbzeit. „Komm schon, noch ein Tor“, murmelte ich vor mich hin. Unter den Umständen wäre auch ein 1:1 eine super Leistung gewesen, aber gegen Halle ein Sieg zu zehnt, das wäre natürlich überragend. Beide Teams schenkten sich allerdings nichts. Fuchs gab alles, fand aber oft nicht den richtigen Abnehmer. Auch Osawe hatte immer mal wieder gefährliche Aktionen in Strafraumnähe, kam aber (Gott sei Dank) nicht richtig zum Abschluss. In der 64. Minute wurde auf Seiten der Hallenser gewechselt. Es kam Kruse für Banovic. Drei Minuten später rotierte auch Härtel. Der unermüdlich kämpfende Lars Fuchs verließ den Rasen und Kruschke kam hinein. „Ob das die richtige Entscheidung war?“, zweifelte ich. Es folgten starke Aktionen der Hallenser. Mir blieb das Herz stehen, doch Glinker parierte legendär zur Ecke. In der 74. ging dann auch das Talent Chahed raus und Brandt wurde eingewechselt. Der sah nur vier Minuten nach seiner Einwechselung, wie Beck in Richtung Hallenser Strafraum startete und schickte einen wunderschön platzierten Ball genau zur richtigen Zeit auf den Stürmer. Beck lief Engelhardt ab und stürmte Richtung gegnerisches Tor. „Mach ihn, MACH IHN“, sprang ich von der Couch auf. Beck schob den Ball zwischen Verteidiger und Keeper durch und versenkte die Kugel im langen Eck. 2:1 Führung. „WAHNSINN“, rief ich durchs Wohnzimmer, „und das zu zehnt nach Rückstand“. Ich war baff und hoffte nur noch auf einen schnelles Ende. 90 Minuten plus 2, dann der Schlusspfiff.

Ich war zugegebenermaßen und bin auch immer noch beeindruckt. So viel Kampfgeist hatte ich den Blau-Weißen gar nicht zugetraut. Ein Spiel zu zehnt drehen, das muss man erst mal als Mannschaft machen. Und das haben sie gezeigt, dass sie zurzeit einfach eine Wahnsinnsmannschaft sind. Jetzt, da sie nach drei Spieltagen auf Platz 2 der Tabelle stehen, hofft man natürlich auf noch mehr als nur der Klassenerhalt. Unwahrscheinlich, aber einen 0:1 Rückstand zu zehnt aufholen ist auch nicht gerade Alltagsgeschäft.

Foto: Oliver Wiebe

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