“Hätte die Drei gerne bei uns wachsen sehen”

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Mit Tim Queckenstedt zog es vor kurzem bereits den dritten Spieler der Magdeburger U17 zu einem großen Bundesliga-Verein. Eric Gründemann (zu Eintracht Frankfurt) und Florian Krüger (in die Knappenschmiede von Schalke) haben es vorgemacht. Anlässlich dieser drei außergewöhnlichen Wechsel haben wir uns mit Marco Kurth unterhalten, dem Trainer der U17 des FCM. Im Interview mit elbsport.com spricht Kurth über die Chancen der Drei bei den neuen Vereinen, seine persönlichen Gefühle bei solchen Transfers und über kritische Twitter-Reaktionen der Fans.

 

elbsport.com: Herr Kurth, mit Tim Queckenstedt, Florian Krüger und Eric Gründemann sind diese Saison bereits drei Spieler des FCM in Jugendakadamien von Bundesliga-Vereinen gewechselt. Freuen Sie sich für die Drei?

Marco Kurth: Grundsätzlich freue ich mich über die rasante Entwicklung unserer Jungs im Allgemeinen. Dass die Bühne Bundesliga zudem Begehrlichkeiten an unseren Jungs weckt, war sicherlich auch klar. Genau diese schnelle Entwicklung, und leider auch manchmal die Folgen eines Vereinswechsels, sind eine große Motivation meiner Arbeit. Viel mehr als der Wechsel jetzt, würde mich die stetige Weiterentwicklung der Jungs in Zukunft freuen, vielleicht sogar mit der Erfüllung des Traums einer Profikarriere.

elbsport.com: Was sind Tim, Eric und Florian für Typen?

Kurth: Tim ist ein typischer Stürmer, der es im Verlauf der Serie immer besser verstanden hat, die eigenen Interessen [Tore] mit denen der Mannschaft [gemeinsames Arbeiten gegen den Ball] zu vereinen und eine tolle Quote aufzuweisen hatte. Tim ist eher schüchtern und zurückhaltend .
Eric ist ein sehr ehrgeiziger Spieler, der täglich an seinem Spiel gearbeitet hat. Gewissenhaft und mit der typischen Mentalität [keine Angst] eines Torwarts ausgestattet, wird er sicher weiter an seinen Zielen arbeiten.
Florian hat durch seine Nationalmannschaftsberufungen sicher die größte Aufmerksamkeit erhalten, die es ihm nicht immer einfach gemacht hat, die richtige Balance zu finden. Ein ruhiger und besonnener Typ ist Florian, der lange auf seine Möglichkeiten warten kann, um dann eiskalt abzuschließen.

elbsport.com: Denken Sie, es wäre besser für ihre fußballerische Entwicklung gewesen, beim FCM zu bleiben?

Kurth: Da auch ich nicht in die Zukunft schauen kann, werden die nächsten 2-3 Jahre sicher Aufschluss darüber geben. Darüber, dass ich die Jungs gerne in unserem Nachwuchs Leistungszentrum hätte wachsen sehen, mache ich natürlich auch kein Hehl. Wir nehmen es sportlich und wünschen unseren Jungs nur das Beste.

elbsport.com: Wie werden die Drei der U17 beziehungsweise U19 fehlen?

Kurth: Natürlich werden sie uns fehlen. Aber auch dieser Fakt ist ständiger Bestandteil unserer Arbeit. Improvisation und die Weiterentwicklung der anderen Talente, die nun vermehrt im Fokus unserer Arbeit stehen.

elbsport.com: Was denken Sie, werden sie sich bei den neuen Vereinen durchsetzen können?

Kurth: Die fussballerischen Qualitäten sind das Eine bei der Beantwortung dieser Frage. Dass sie aus diesem Grund von den Bundesligisten ausgesucht wurden, verstehe ich sicher voll und ganz. Opferbereitschaft, Demut, Wille und das Quentchen Glück im richtigen Moment auch die Chance zu erhalten, dafür sind jetzt die Jungs natürlich selbst zuständig.

elbsport.com: Was halten Sie vom “Talentklau” der großen Vereine?

Kurth: Dass die Bundesligisten gerne die besten Spieler in ihren Mannschaften haben wollen, ist sicher verständlich. Dass wir, und viele andere kleine Zuliefervereine für unsere Arbeit auch vernünftig entlohnt werden, die andere Seite.

elbsport.com: Vor allem der Wechsel von Tim Queckenstedt zu Bayer 04 Leverkusen hat bei uns auf twitter für Aufsehen gesorgt. “Wie kann man nur zu einem farb- und seelenlosen Verein gehen”, war unter anderem ein Kommentar. Können sie diese Haltung nachvollziehen?

Kurth: Die Geschichte von Leverkusen als Verein beinhaltet aber auch die tolle Ausbildung im Jugendbereich. Und genau darum sollte es auch gehen. Die Investition in eine zukunftsträchtige Jugendförderung ist beispielhaft und leider im Fall Queckenstedt für uns in diese Richtung ausgegangen.

elbsport.com: Halten Sie eine Rückkehr der Drei in der Zukunft für denkbar?

Kurth: Wir werden immer mit großem Interesse die Entwicklungen unserer Jungs im Auge behalten. Und die Schnelllebigkeit dieses Geschäfts ist atemberaubend.

 

Interview: Philipp Schöner

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