Dem Ellbogen getrotzt

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SES-Boxer Dominic Bösel gewinnt in Jena gegen den Polen Norbert Dabrowski und verteidigt seinen WBO-Interconti-Titel. Der Kampf gestaltet sich jedoch deutlich schwerer als gedacht. Dabrowski präsentiert sich als starker Gegner, vor allem aber schränkt Bösel eine Ellbogen-Verletzung erheblich ein. Eine OP steht an.

Jena – Sogar bei der Siegerehrung waren die Gedanken von Dominic Bösel vor allem bei seinem rechten Ellbogen. Er verzog seine Miene, schüttelte immer wieder den schmerzenden Arm, es schien so, als ob er das alles möglichst schnell hinter sich bringen wollte, um sich endlich ausgiebig behandeln zu lassen. Als dann schließlich das Ergebnis genannt wurde, ein 117:110, 115:113, 116:111-Sieg gegen den Polen Norbert Dabrowski, da entkam Bösel doch noch ein kurzes Lächeln. Das Leid hatte sich gelohnt, der WBO-Interconti-Gürtel bleibt seiner.

Dieser rechte Ellbogen, der Bösel von Beginn an plagte: es war das herrschende Thema nach dem Kampf. Noch bevor er überhaupt in den Ring gestiegen war, tauchten Gerüchte auf, wonach er sich beim morgendlichen Spaziergang verletzt hatte. Die Bestätigung von Seiten des Freyburgers kam allerdings erst, als sein „Heimspiel“ zuende war: „Ich wollte hier in Jena unbedingt durchstarten, aber schon in der ersten Runde habe ich gemerkt, dass mir mein rechter Ellbogen einen Strich durch die Rechnung machen würde. Ich kann ihn kaum noch hochhalten.“

Unerwartet zähe Veranstaltung

Es war eine unerwartet zähe Veranstaltung für den SES-„Team-Deutschland“-Kapitän, der wohl schwierigste Boxkampf in seiner noch jungen Karriere. Dass er sich schwerer tat als sonst, war neben seinem Handicap auf das Durchhaltevermögen von Dabrowski zurückzuführen, der den Kampf vor allem in den ersten Runden ausgeglichen gestaltete. Der Herausforderer aus Polen war der insgesamt aktivere Boxer, mit seiner „ständig fuchtelnden Führhand“, wie Bösels Trainer Dirk Dzemski es formulierte, brachte er den Deutschen in Probleme. Ein paar Mal gelang es Dabrowski, seinen Gegner in die Ecke zu zwingen. Die Konter des Titelträgers aber waren härter und präziser. Ab der fünften Runde erarbeitete sich Bösel einen zunehmend größeren Vorteil. Beide Akteure bekamen im Verlauf des Kampfes Risswunden im Gesicht, Dabrowski per Schlag, Bösel durch einen Zusammenstoß beider Köpfe. Aus Bösels Wunde, die recht nah am Auge lag, hätte Dabrowski noch Kapital schlagen können. Doch dafür war er nicht gefährlich genug.

Als Bösel nach der siebten Runde seinen Kontrahent ein bisschen zu lang umklammerte, bekam er von seinem Coach Dzemski einiges zu hören: „Damit wirkst du so unsympathisch, das sehen die Punktrichter doch auch“. Als er Dabrowski in der zehnten Runde dann auf den Hinterkopf schlug, reagierte der Trainer noch heftiger: „Hör auf damit. So etwas kann ich nicht leiden. Das ist unsportlich. Du bringst alle gegen dich auf. Du willst ein Gentleman sein wie Henry Maske und machst dann so ein Dreck. Das hast du nicht nötig“.

Insgesamt wirkte Bösel nicht zufrieden mit seinem Auftritt, „ich wollte besser boxen“, erklärte er. Die Rahmendbedingungen waren nicht optimal, der „grauenvollen Vorbereitung“ (Dzemski) und dem schmerzenden Ellbogen musste er Tribut zollen, doch er hielt durch. „Noch drei Runden, dann hast du Urlaub“, rief ihm Dzemski vor der neunten Runde zu. Bösel wird sich nun eine Operation am Ellbogen unterziehen. Und dann? Sein Ziel bleibt der WM-Kampf, der nach dem Triumph nun noch einmal näher gerückt ist. Seit neuestem wird Bösel als Erstplatzierter in der WBO-Rangliste geführt. Siegt er weiter, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er zum Pflichtherausforderer von Sergei Kowaljow wird.

elbsport.com / Mattis Nothacker

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