„Ich sah direkt, dass er etwas besonderes hat“

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Christian Schwarzer, ehemaliger Handball-Nationalspieler, Weltmeister von 2007 und heutiger Junioren-Bundestrainer, entdeckte SCM-Neuzugang Finn Lemke als 18-Jähriger und brachte ihn zur Nationalmannschaft. Im Interview mit elbsport.com erklärt der 45-Jährige, was Finn Lemke so eigenartig macht, wie er seinen Wechsel zum SCM sieht und an was er noch arbeiten kann.

elbsport.com: Herr Schwarzer, Sie sind als DHB-Jugendkoordinator auf Finn Lemke aufmerksam geworden. Wie haben Sie ihn entdeckt und was fiel Ihnen an ihm auf?

Christian Schwarzer: Ich fuhr damals mit dem Zug quer durch Deutschland, weil ich einen Freund in Stralsund besucht hatte und zurück nach Hannover musste. In den örtlichen Jugend-Regionalligen bin ich dann mal die Torschützenlisten durchgegangen. Dort laß ich von einem Spieler der HSG Schwanewede/Neuenkirchen, der pro Spiel zwischen 10 und 20 Tore machte. Ich wunderte mich, dass ich den Jungen nicht schon kannte. Auf der Vereinshomepage sah ich unter anderem, dass Schwanewede auch ein Partnerverein vom TBV Lemgo ist. Ich fragte bei Schwanewedes Trainer nach und der sagte mir: „Ja, der ist 2,10 Meter groß“. Da bin ich natürlich hellhörig geworden. Ich lud ihn zu einem Lehrgang in Flensburg mit Länderspielen gegen Dänemark ein und sah direkt, dass er etwas besonderes hat. Er konnte sich trotz seiner Größe auch koordinativ sehr gut bewegen. Er machte zum Beispiel Täuschbewegungen mit einer Geschwindigkeit, die für eine solche Größe nicht unbedingt normal sind. Kurz darauf rief ich Volker Zerbe an, meinen damaligen Trainerkollegen vom TBV Lemgo, und sagte ihm: „Da ist einer von eurem Partnerverein, den solltet ihr euch vielleicht mal nach Lemgo holen“.

elbsport.com: Ab dieser Saison geht Lemke nicht mehr für den TBV Lemgo, sondern für den SC Magdeburg auf Torejagd. Was waren Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für den Wechsel?

Schwarzer: Ich denke, das hat mehrere Hintergründe. Ich denke, er wollte nochmal eine Luftveränderung, noch einen nächsten Schritt machen. Mit Sicherheit hatte es auch mit dem Finanziellen zu tun. Für seine Persönlichkeitsentwicklung ist es sicherlich gut, nochmal in ein neues sportliches Umfeld zu kommen und eine neue Herausforderung zu haben. Dass Magdeburg nächstes Jahr international spielt, hat deshalb wohl auch den Ausschlag gegeben.

elbsport.com: In der Nationalmannschaft attestieren ihm viele eine große Zukunft. Wie sehen Sie das?

Schwarzer: Im athletischen Bereich, gerade was die Ganzkörperstabilisation betrifft, muss Finn einfach noch zulegen. Das ist für jemand seiner Größe sehr wichtig. Ich vergleiche das immer ein bisschen mit Spielern aus der NBA, wie zum Beispiel Dirk Nowitzki. Finn hat in der Vergangenheit schon die eine oder andere Blessur gehabt. Das kommt davon, dass er meiner Meinung nach im athletischen Bereich noch besser vorbereitet sein könnte.

Wenn er diese Defizite in Magdeburg aufarbeitet, denke ich, dass er in der Nationalmannschaft eine große Zukunft haben wird. Viele Spieler, die von 2,10 Metern auf das Tor werfen können, haben wir nicht. Ein spielstarker Paul Drux zusammen mit einem Shooter wie Finn Lemke könnte in den nächsten zehn Jahren eine sehr gute Kombination sein.

elbsport.com: Der SC Magdeburg spielt in dieser Saison zum ersten Mal seit langem wieder international. Wie sehen Sie die Entwicklung des Vereins?

Schwarzer: Geir Sveinsson hat in dieser Saison sehr gute Arbeit geleistet. Magdeburg war immer eine Mannschaft, die über den Kampf und über die Zuschauer gekommen ist und das haben sie in dieser Saison wieder gemacht. Vielleicht nicht mit den riesengroßen internationalen Namen, aber mit einer sehr ausgegeglichenen und gut aufgestellten Mannschaft. Es ist natürlich sehr schön, dass sie wieder europäisch spielen werden, weil sie auch international als ehemaliger Champions-League-Sieger ein sehr großes Renomee genießen. Für die Zuschauer in Magdeburg ist es eine super Sache. Und das haben sie sich wirklich verdient.

Interview: Mattis Nothacker

Foto: facebook.com/christian.schwarzer8

 

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