Mehr als nur groß

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Finn Lemke, 23, Neuzugang beim SC Magdeburg, ist nicht nur der größte Spieler der Handball-Bundesliga: er gehört zu den begehrtesten Talenten Deutschlands. Der gebürtige Bremer ist trotz so mancher Rückschläge auf dem besten Weg, zum Volker Zerbe seiner Generation zu werden.

2,10 Meter: es ist das erste, was einem an Finn Lemke auffällt. Lemke ist größter Spieler der Handball-Bundesliga. Der 23-Jährige agiert im Rückraum, kommt aus Bremen – und spielt ab der kommenden Saison für den SC Magdeburg.

Wenn Lemke an Magdeburg denkt, kommen ihm eigentlich nur positive Erinnerungen. In seiner ersten Profi-Saison beim TBV Lemgo erzielt er gegen die Elbestädter sieben Tore. Auch in den nächsten Begegnungen bereitet er dem SCM große Schwierigkeiten. Die SCM-Verantwortlichen arbeiten zunehmend intensiv an einer Verpflichtung ihres Angstgegners. Im November 2014 können sie schließlich eine Einigung verkünden. „Finn Lemke (….) konnte sich in den letzten Jahren schon sehr gut in Szene setzen“, erklärt Steffen Stiebler, sportlicher Leiter des SCM. „Wir vom SC Magdeburg hatten damit, insbesondere durch seine Wurfgewalt und Potenzial in der Abwehr, in den vergangen Jahren mehrfach schmerzhafte Erfahrungen machen müssen. Insofern freut es uns, dass er zukünftig die grün-roten Farben trägt“.

Überraschender Brief vom DHB

Lemke ist gebürtiger Bremer und großer Werder Bremen Fan. Beim Fußball beschränkt er sich allerdings auf das zuschauen. „Spielen kann ich überhaupt nicht“, meint er. In seiner Familie steht von Anfang an der Handball an erster Stelle. Nicht nur seine Eltern Jan-Peter und Kirsten sind frühere Handballer, auch das Leben seiner Brüder Torben und Jari dreht sich um die Sportart. Finn, der Mittlere der drei, schafft den Durchbruch während seiner Zeit bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen, als er als 18-Jähriger überraschende Post vom Deutschen Handballbund bekommt. Obwohl er sich zuvor kaum Chancen einräumt, wird er zum Lehrgang der männlichen Jugendauswahlmannschaft eingeladen. Im August 2011 verpflichtet ihn schließlich Bundesligist TBV Lemgo. Zunächst muss sich der Youngster an die neuen Bedingungen gewöhnen. „Von der Trainingsbelastung her war es schon ein deutlicher Unterschied“, erinnert sich Lemke. Auch Lemgo-Manger Christian Sprdliz merkt an: „Als er bei uns ankam, hatte er noch einige Defizite im physischen Bereich“.

Doch Lemkes Körper entwickelt sich schnell. Zunächst bei den Drittliga-Youngsters eingesetzt, spielt der Rückraumspieler immer häufiger für die erste Mannschaft und erzielt schließlich als erstes großes Ausrufezeichen die sieben Tore gegen Magdeburg. Schon bald kommen erste Vergleiche mit Lemgo-Geschäftsführer und früherer Nationalspieler Volker Zerbe auf. „Er bringt neben seinem Talent die fast identische Körpergröße mit“, sagt Zerbe selber. „Da werden zwangsläufig Parallelen gezogen, wobei Finn in seinen jungen Jahren jetzt schon ein wesentlich kräftigerer Typ ist, als ich es jemals war. Ich weiß, dass es ein langer weg ist, den er gehen muss. Aber er ist bereit, hart an sich zu arbeiten und alles zu geben“.

Erst Pfeiffersches Drüsenfieber, dann Mittelhandbruch

Im Dezember 2013 bekommt Lemkes Entwicklung jedoch einen herben Dämpfer. Was zunächst wie eine harmlose Grippe aussieht, erhält später die Diagnose „Pfeiffersches Drüsenfieber“. Lemke hat enorm verschlechterte Leberwerte, zudem eine doppelt so große Milz. Jede Körperbelastung ist anstrengend, wegen der Ansteckungsgefahr muss er sogar in Quarantäne. Erst nach einem halben Jahr kann er wieder spielen.

Die nächste schwere Phase ereignet sich Anfang 2014, als Lemke die Handball-WM in Katar vorm Fernseher verfolgen muss. Für die Problemposition linker Rückraum ist er in der Mannschaft von Dagur Sigurosson eigentlich fest eingeplant, doch ein Mittelhandbruch verhindert den ersten Turniereinsatz des Bremers. Eines scheint jedoch klar: sollte Lemke nicht erneut durch eine Verletzung ausgebremst werden, wird er bei der Europameisterschaft und den möglichen Olympischen Spielen zum Kader gehören.

Mit Finn Lemke hat der SC Magdeburg nicht nur den größten Spieler der Liga verpflichtet, sondern auch eines der größten Handball-Talente Deutschlands.

elbsport.com / Mattis Nothacker

Foto: facebook.com/tbvlemgo

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