Nachschuss: Einen Rohdiamanten verschenkt man nicht

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Ryan Malone (25_10_2015) - Oli Wiebe - Slider 4

Vor der Saison wurde Ryan Malone als „Experiment“ abgestempelt. Zwei Tore und viele Monster-Einwürfe später war er Liebling der Massen. Es folgte mit der Verletzung ein Rückschlag und nun stellt sich der FCM die Gretchenfrage, ob der Ami einen neuen Vertrag bekommt oder nicht. Elbsport.com-Redakteur Johannes Sill sagt, warum Malone ein weiteres Jahr an der Elbe verdient hat.

Schon vor Beginn der Saison waren meine Gefühle zu Ryan Patrick Malone gespalten. Ein Ami in der 3.Liga? Beim FCM? Trotz seines eindrucksvollen Portfolios auf der anderen Seite des Ozeans, schien das nicht zu funktionieren. Doch Trainer Jens Härtel machte, was er immer macht: Rotieren und Spielern Chancen einräumen. So stand Ryan plötzlich doch in der ersten Elf und die Cinderella-Story nahm ihren Lauf. Startelf-Debüt. Erstes Tor. Drei Punkte gegen Wiesbaden. Das Stadion war verzückt vom Auftritt „unseres Amis“ und seine Einwürfe flogen mit Urgewalt in Richtung des gegnerischen Sechszehners. Ein weiterer Treffer gegen den Erzfeind Dynamo und jeder, mich eingeschlossen, war sich sicher: Der Ryan, der ist das nächste große Ding in Magdeburg.

Nach einer Knieverletzung muss Ryan Malone vom Platz.
Nach einer Knieverletzung muss Ryan Malone vom Platz.

Wie in jedem guten Hollywoodfilm folgte der schmerzhafte Rückschlag auf die erstaunlichen Erfolge. Innenbandriss im Knie! Charaktertest. Auch ich litt zusammen mit dem Ami, da ich dem ackernden Verteidiger mit Freude zusah. Sein Talent stellte er in seiner kurzen Zeit unter Beweis. Hinten stand Malone immer recht sicher. Klar, manchmal haperte es an der Abstimmung, aber das ist nur normal bei englischsprachigen Spielern in ihrer ersten Saison. In der Offensive köpfte und warf er sich in die Herzen der Fans. Deswegen sollte der FCM weiter mit ihm planen und ihm noch eine Jahr Zeit geben. Einen Rohdiamanten verschenkt man nicht. Man formt ihn.

Sein Charakter und die unikale Arbeitsweise haben während 180 Minuten Startelfminuten gereicht, um das Magdeburger Publikum komplett zu verzücken. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Stadion bei einem Einwurf tobt wie bei einer Ecke in der letzten Minute. Publikumsliebling from day one. So etwas muss man, meiner Meinung nach, auch im Hinterkopf behalten, wenn man den Kader der kommenden Saison plant. Weiterhin hat der FCM den Namen „Ryan Patrick Malone“ in Deutschlands unterster Profiliga etabliert. Malone weiterziehen zu lassen wäre traurig, da ein anderer Verein von den Grundlagen, die der FCM gelegt hat, profitiert. Insbesondere, wenn dieser Verein, wie es in Medienberichten heißt, Rostock ist. Irgendwie will ich nicht, dass er gerade in Rostock landet. Ich kann nicht genau beschreiben warum, aber es fühlt sich irgendwie falsch an. One more year for Ryan? Da wäre ich sicher nicht der Einzige, der sich darüber freut.

elbsport.com / Johannes Sill

Fotos: Oliver Wiebe

Johannes Sill

Schreibt am liebsten Nachschüsse, trifft diese zeitweise auch auf dem Platz; hat die Liebe zum SSV Ulm noch nicht aufgegeben; vergibt gerne einfache Großchancen und macht dafür die schwierigen Dinger; "am Ende geht es nur um Klicks"; kämpft im echten Leben weiterhin um einen Profi-Vertrag als "Flügelflitzer"; ehemaliger Spieler der Orlando Pirates
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2 Responses

  1. Frank Möhring

    …lässt der Club dieses Talent ziehen, werde ich mich hinterfragen, ob ich in der Zukunft mit Leib und Seele dabei bin! Diese Worte tun mir sehr weh, aber sie sind Ehrlich! Die Art und Weise wie mit Matthias umgegangen wurde, war schon extrem grenzwertig. Das jetzt um Ryan setzt dem Topf den Deckel Drauf, Herr Kallnik!!

  2. Torsten C

    Bin ganz ihrer Meinung .Malone hat eine Chance Verdient .Es war ja nicht seine Schuld das er Verletzt wurde .Wenn der Verein ihn gehen lässt werden viele Fans sauer sein und andere Vereine werden sich Freuen und aus dem Lachen nicht mehr heraus kommen .Wenn er geht geht einer unserer besten Spieler

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