Nachschuss: “Strafe taugt nicht als Begründung gegen Pyrotechnik”

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Jüngst wurde der 1. FC Magdeburg einmal mehr vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. 40.000€ soll der Club für Fehlverhalten von Anhängern zahlen, keine unerhebliche Summe für einen Drittligaaufsteiger. Ein Teil der Summe kommt durch das Verwenden von Pyrotechnik zustande, aber heißt das, dass die Anhänger unbedingt alleine aus diesem Grund auf Pyrotechnik verzichten müssen? elbsport-Redakteur Martin Leckelt sagt: Nein!

Erst einmal sei gesagt, dass die Hälfte der Summe den Vorkommnissen in Großaspach geschuldet ist, die mit Pyrotechnik nichts zu tun haben und sowieso undurchsichtig sind, weil das Ordnungspersonal dort wohl auch eine entscheidende Rolle gespielt hat. Des Weiteren bezieht sich ein Teil der Strafe auf das Spiel in Dresden, als Gästefans Leuchtraketen in andere Stadionbereiche schossen. Hier ist mit Pyrotechnik ausschließlich das Verwenden von bengalischen Fackeln und Rauchtöpfen gemeint und nicht Böller oder Leuchtraketen, die zweifelsohne gefährlich sind und bei Veranstaltungen mit vielen Menschen nichts verloren haben. Also sollte zunächst mal festgehalten werden, dass klar weniger als die Hälfte der 40.000€ durch das Zünden von Pyrotechnik zustande kamen.

Nun kann man dazu ja stehen wie man möchte. Es ist nicht erlaubt, das ist eindeutig. Aber ob es wirklich so gefährlich ist, wie häufig gemeint wird, ist alles andere als sicher. Gerade, wenn die Zündenden keine Stadionverbote oder andere Strafen fürchten müssten und man entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und somit ein kontrolliertes Abbrennen, wie es beispielsweise in Österreich erfolgreich praktiziert wird, ermöglicht, wäre das Risiko wohl auf ein Minimum gesenkt. Auch der 1. FC Magdeburg setzte sich in der Vergangenheit für eine Leaglisierung ein.

Wie gesagt, man kann zu bengalischen Fackeln, wie sie gegen Mainz II gezündet wurden und deshalb Teil der Strafe sind, und Rauchtöpfen, wie sie gegen Wehen-Wiesbaden zum Einsatz kamen und deshalb in der Strafe beinhaltet sind, stehen wie man möchte, aber kann man wegen des Verbots dieser Dinge von aktiven Fußballfans verlangen, darauf zu verzichten? Erst einmal denke ich nicht, dass man jemandem das Fan sein absprechen kann, nur weil er mit Pyrotechnik eine Strafe für seinen Verein verursacht. Jene, die dafür meist verantwortlich sind, sind auch jene, die für den Verein am Wochenende hunderte Kilometer durch Deutschland fahren, um ihn in Aalen, Großaspach oder einer Bundesligareserve zu unterstützen. In englischen Wochen oder bei Freitagsspielen nehmen sie sich Urlaub, um den FCM zu sehen und ihn zu unterstützen. Wenn diese Leute keine Fans sind, wer dann?

Natürlich ist es für den 1. FC Magdeburg wie für jeden anderen Fußballverein auch von Nachteil, wenn er Geldstrafen zahlen muss. In diesem Sinne fügen die “Pyromanen” ihrem Verein schon Schaden zu. Aber es geht für sie ja auch vor allem darum, ihren FCM möglichst lautstark, kreativ und damit auch optisch ansprechend zu unterstützen. Und Pyrotechnik ist als Form optischer Unterstützung ein etabliertes Stilmittel in der Fankultur. Und aktive Fans sollten ihre Kultur, die Fankultur, nun einmal ausleben dürfen, sofern sie damit niemanden beeinträchtigen, was nicht wirklich der Fall ist, solange keine Böller in Menschenmengen gezündet werden. Man kann jetzt natürlich sagen, dass die Fans dann warten sollen, bis Pyrotechnik legalisiert wird und dafür dann bitte kämpfen sollen. Das wurde von 2010 bis 2012 mit der Kampagne “Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren” bereits versucht. Fans verzichteten am Anfang der Saison 2011/12 auch einige Spieltage auf den Einsatz von Pyrotechnik, um die Kampagne erfolgversprechender zu machen, aber die Gespräche zwischen Fans und DFB endeten damals mit einem Gutachten, welches der DFB als Begründung nahm, Pyrotechnik nicht zu legalisieren, obwohl das Gutachten wohl zu einem anderen Ergebnis kam. Es gab also schon einen ernsthaften Anlauf, bei dem die Fans vom Verband hinters Licht geführt wurden. Darum ist es mehr als verständlich, dass man es vorerst auf diesem Wege nicht versucht und damit auch nicht auf das Zünden verzichtet, zumal man dann ja den Gegnern der Pyrotechnik das Argument liefern würde, dass sie es auch ohne Pyrotechnik “ausgehalten” hätten – ohne, dass es was für ihre Sache gebracht hätte.

Es bleibt festzuhalten: Solange damit verantwortungsvoll umgegangen wird, sollte man jungen und aktiven Fans nicht zu sehr vorhalten, dass sie Pyrotechnik verwenden. Sie tun es nicht, um dem Verein zu schaden, sondern weil sie ihre Art des Fan sein ausleben und den 1. FC Magdeburg optisch supporten wollen. Von einer Institution wie dem DFB-Sportgericht, die in ihrer Existenz schon zweifelhaft genug ist, sollte man sich nicht unterkriegen lassen und nicht sein Handeln diktieren lassen, nur weil sie so urteilen, dass es nicht der eigenen Meinung entspricht und versuchen mit Geldstrafen ein Keil zwischen die Fans zu treiben. Denn eines ist klar: Auch mit Geldstrafen oder anderen Sanktionen wird man Pyrotechnik nicht aus deutschen Fußballstadien verbannen können.

elbsport.com/Martin Leckelt

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