Nachschuss: “Wer immer noch zündelt, hat es nicht verstanden”

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pyroSSSS

Jüngst wurde der 1. FC Magdeburg einmal mehr vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. 40.000€ soll der Club für Fehlverhalten von Anhängern zahlen, keine unerhebliche Summe für einen Drittligaaufsteiger. Ein Teil der Summe kommt durch das Verwenden von Pyrotechnik zustande. Heißt das, dass die Anhänger aus diesem Grund auf Pyrotechnik verzichten sollten? elbsport-Redakteur Mattis Nothacker sagt: Ja!

Eine Sache zuerst: ich habe nichts gegen Pyrotechnik an sich. Ich finde es genauso atemberaubend, wenn beim Einlauf der Mannschaften neben den Fangesängen und Choreografien auch gezündet wird. Das fördert gerade beim 1. FC Magdeburg diese einzigartige Gänsehautatmosphäre, bevor das Spiel losgeht.

Genauso deutlich sage ich aber auch: jemand, der sich als großer Fan des 1. FC Magdeburg bezeichnet, der nach den Spielen keine Stimme mehr hat, jede freie Minute nach Neuigkeiten des Vereins schaut, sollte alles dafür tun, dass keine Pyrotechnik bei Heimspielen des FCM gezündet werden.

Fakt ist: Pyrotechnik ist in Fußballstadien nicht erlaubt. Der DFB verbietet das und wenn bei Vereinen trotzdem gezündelt wird, müssen sie oft im fünfstelligen Bereich Strafe zahlen. Für den FCM sind das große Summen. Mit wem auch immer man reden sollte: ob Fanbeauftragter, Pressesprecher, Trainer oder Spieler des 1. FC Magdeburg, jeder wird das gleiche sagen: zündet bitte keine Pyro! Das heißt nicht, dass sie etwas gegen das zünden an sich haben, aber wie bereits erwähnt: es schadet dem Verein und damit jeden einzelnen. Die 40.000 Euro, die der 1. FC Magdeburg zahlen muss, zum Teil aufgrund von gezündeter Pyrotechnik in den Spielen gegen den FSV Mainz 05 II und Wehen Wiesbaden, werden nun irgendwo anders fehlen: Bei den Gehältern für Spieler oder Angestellte in der Geschäftsstelle, bei Umbauten innerhalb des Heinz-Krügel-Stadion. Diese erfüllt beispielsweise nicht die DFL-Auflagen für die zweite Liga. Die Trainer haben zudem keine Büros, die Spieler keinen Kraftraum. Geld, das dafür verwendet werden könnte, geht durch das einfache abbrennen von Pyrotechnik verloren.

Den Fans muss bewusst sein: als Verein muss man Regularien des DFB erfüllen, wer das nicht macht, wird bestraft. Will man etwas ändern, sollte man sich der Initiative “Pyrotechnik legalisieren! Emotionen respektieren” anschließen. Eine zeitlang gab es sogar konstruktive Gespräche zwischen der Initiative und dem DFB. Doch diese scheiterten, auch weil sich der Verband sehr sturköpfig anstellte.

Doch das sollte nicht dazu führen, aufzugeben und die resignierende Haltung zu nehmen. Denn genau das spielt dem DFB in die Karten. Es hilft dem Verband, das Argument durchzusetzen, dass man mit den Ultras sowieso nicht verhandeln könne, und sie so oder so machen würden, was sie wollen.

Wie oft kolportiert, ist Pyrotechnik als solches nicht gesetzlich verboten. Wenn es kontrolliert zugeht, sind Ausnahmen durchaus möglich. In Österreich gibt es beispielsweise solche Ausnahmeregelungen mit bengalischem Feuer. Mit solchen Argumenten kann man, wenn man einheitlich auftritt, den DFB stark unter Druck setzen. Man könnte den 1. FC Magdeburg sowie andere Vereine ebenfalls dazu drängen, sich noch mehr für Pyrotechnik einzusetzen, in dem man beispielsweise demonstrativ nicht ins Stadion geht oder andere Druckmittel einsetzt.

Nur weil es bislang keine positive Lösung mit dem DFB gegeben hat, heißt das nicht, dass man nicht weiter für eine Legalisierung kämpfen sollte. Wer meint, “es ändert sich eh nichts” und immer noch zündelt, hat es nicht verstanden.

elbsport.com / Mattis Nothacker

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6 Responses

  1. Christian

    Oberflächlich analysiert. In der Milchmädchenrechnung fehlen die Mehreinnahmen aufgrund der höheren Zuschauerzahlen, die u.a. auf die besondere Atmosphäre in Magdeburg zurück zu führen ist.

    Und wer die Debatte mit dem DFB bzw die Kampagne zur Legalisierung von Pyrotechnik mal genau unter die Lupe nimmt bevor er seine Meinung kundtut, der wird das Thema hoffentlich differenzierter betrachten als der Autor.

  2. Toralf

    Fakt ist: Der DFB kann und wird Pyro niemals erlauben. Zwanziger schrieb, dass eine Erlaubnis unmöglich sei, ohne dabei Gesetze zu brechen. Angeblich soll der DFB ja ein Gutachten besitzen, das Pyrotechnik unter gewissen Voraussetzungen ermöglichen könnte, meinte aber, dass das niemanden interessiere. Auch waren alle bisherigen Gespräche mit Ultravertretern eine Farce und lediglich ein Spiel auf Zeit, um die Ultras so lange wie möglich ruhig zu stellen. Wer glaubt, der DFB werde (oder könne) jemals Pyrotechnik erlauben, sollte aus seiner Traumwelt aufwachen.

    Warum sollten die Fans eigentlich nur bei Heimspielen nicht zündeln? Wir werden auch auswärtig bestraft, wie unsere letzte Strafe eindeutig belegt. Und wer Nacktkontrollen allen ernstes als Strafmildernd bewertet, ist aus meiner Sicht nicht mehr Zurechnungsfähig.

  3. FCM Maik

    Ich habe selten so viel “Mist” gelesen, an vielen Aussagen im Text sieht man das sich der Verfasser kein bisschen mit dem FCM auskennt! Der FCM zahlt Miete für das Stadion und ist kein Eigentümer, warum sollte der FCM dann für Umbau bzw. Erweiterungskosten aufkommen ?
    Die 40.000€ werden auch nicht bei Gehälter etc. fehlen, denn durch die Mehreinnahmen der Zuschauer ( wenigstens 40.000€ pro Heimspiel) sollten die laufenden Kosten gedeckt sein. Denn Anfang der Saison wurde mit ca. 10.500 Zuschauer geplant.

  4. Michael

    Die Gegebenheiten rund um das Stadion anzuführen zeugt von ziemlicher Unkenntnis der Strukturen in Magdeburg.

  5. Mattis Nothacker

    Ich freue mich über die Kommentare und weiß sehr wohl, dass hier sicher kein schwarz und weiß denken angebracht ist. Dass sich viele DFB-Funktionäre, gerade Herr Zwanziger, in der Vergangenheit recht klar gegen Pyrotechnik positionierten, ist mir auch bewusst. Trotzdem denke ich, dass man mithilfe verschiedenster Druckmittel durchaus nochmal Gespräche forcieren könnte. Dass man durch das Zünden von Pyrotechnik den DFB unter Druck setzt, sehe ich überhaupt nicht so. Viel mehr verstärkt man dadurch die festgefahrenen Meinungen im Verband.

    Lieber Christian, lieber FCM Maik: dass die Zuschauereinnahmen in dieser Saison deutlich höher als in der Regionalliga sind und diese auch die Erwartungen vor der Saison übersteigen, ist mir natürlich ebenfalls bewusst. Trotzdem ist der FCM der Verein mit dem niedrigsten Etat in der Liga und hat in vielen Bereichen noch keine 3. Liga-Standards. Die Gehälter müssen natürlich ebenfalls an die höhere Liga angepasst werden. Die höheren Einnahmen als Rechtfertigung für Pyrotechnik zu verwenden, die zu Strafen im fünfstelligen Bereich führen, finde ich etwas merkwürdig.

    Lieber FCM Maik, lieber Michael: Dass das Stadion nicht dem FCM gehört, ist mir auch nicht neu. Trotzdem: Sie werden wissen, dass der FCM die Zweitligaauflagen zurzeit alles andere als erfüllt. Nach Bild-Informationen ist dafür ein TV-Studio im Stadion notwendig, die Pressetribüne müsste erweitert werden, zudem Sicherheitsglas-Absperrungen zwischen den Fanblöcken errichtet werden. Dass dies von der Stadt bezahlt wird, ist überhaupt nicht gesagt.

  6. Christian

    “Die höheren Einnahmen als Rechtfertigung für Pyrotechnik zu verwenden, die zu Strafen im fünfstelligen Bereich führen, finde ich etwas merkwürdig.”

    Das hat auch niemand behauptet. Vielmehr besuchen etliche Zuschauer insbesondere wegen der Atmosphäre in Magdeburg, und dazu gehört auch der stil- und verantwortungvolle Einsatz von Pyrotechnik, die Spiele des 1.FC Magdeburg. Soll heißen, dass die Fans bereits deutlich mehr Einnahmen mit genau den selben Aktionen generiert haben als diese eben gekostet haben. Sicherlich auch nur ein Bauchgefühl, sollte in der Debatte dann jedoch ebenfalls berüchtigt werden.

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