SCM-Fanreportage zum Final Four in Hamburg

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 Es ist schon fast eine Woche her, und fühlt sich trotzdem noch so frisch an wie direkt nach dem Triumph. Der SC Magdeburg gewinnt zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder den DHB-Pokal. Mit dabei waren die zahlreichen SCM-Fans, die deutschlandweit als die lautstärksten und verrücktesten Anhänger überhaupt gelten. Einer dieser Fans hat seine unvergesslichen Erlebnisse an dem Wochenende für elbsport.com zusammengetragen.

Von Max Schieferdecker

Begonnen hat eigentlich alles vor wenigen Monaten, als mein Bekannter mich fragte ob ich sein Ticket fürs „Rewe Final Four“ in Hamburg haben möchte. Ich bat um ein wenig Zeit und checkte meine finanzielle Lage. Je länger ich nachdachte, umso mehr kam ich zu dem Entschluss, das ich meinen Herzensverein, den SC Magdeburg, bei diesem außergewöhnlichen Event unterstützen kann. Ich sagte zu, buchte mein Hostel und begann, das Wochenende zu planen. Dank Facebook fand sich schnell eine Fahrgemeinschaft und Hamburg konnte kommen.

Auf geht’s nach Hamburg

Mein Tag begann mit dem packen meiner Sachen, wie immer habe ich die Hälfte vergessen, aber auch egal, es ist ja nur ein Wochenende und es geht ja „eh nur“ zum Handball. Als um 16:45 Uhr das Auto wie besprochen da war, gab es kein zurück mehr, auf es ging nach Hamburg. Den Freitagabend gestalteten wir uns locker und leicht, bei Rum Cola und „Lets Dance“, da gab es wenigstens Musik. Der Abend verging wie im Flug und es begann eine unruhige Nacht.

Es war Samstag, um nicht zu sagen DER SAMSTAG, der Tag an dem meine Magdeburger Jungs ins Finale einziehen konnten. Um 12:15 Uhr machte ich mich dann auf dem Weg zur Halle, um 13 Uhr war Einlass und laut GoogleMaps hatte ich 15 Minuten Fußweg. Ich wollte noch ein wenig Atmosphäre vor der Halle aufsaugen und dem typischen Hamburger Wetter trotzen.

Die Hamburger BarclayCardArena befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Volksparkstadion, wurde im Jahr 2002 eröffnet und bat Platz für 13.000 Handballfans, um nicht zu sagen Handballfanatiker. Seit 2003 findet hier das Final Four um den DHB-Pokal statt und das wird auch die nächsten Jahre noch der Fall sein.

Die Türen öffnen sich

Kurz nach 13 Uhr öffneten sich dann auch, unter dem Jubel der Fans, die Türen zur Arena. Drin war bereits alles vorbereitet, die Stände aller teilnehmenden Vereine, jede Menge Essen und Trinken. Auf ging’s zum Block. 48 Treppen und zwei Türe später war ich am Oberrang angekommen und stand wieder vor verschlossenen Türen. „Der Innenraum wird erst gegen halb geöffnet“, sagte mir der freundliche Herr. Okay gut, dann schaut man sich halt noch ein wenig um. Mein Weg führte mich direkt zu unserem Stand, dort traf ich auch meine weiteren Begleiter. Nachdem wir eine Handvoll „Klatschpappen“ besorgt hatten, schlenderten wir weiter. Die komplette Runde um den Unterrang, zwischendurch ein Foto, eine Frage und lustige Gespräche. Irgendwo unterwegs fragte man uns: „Wo gibt es die denn?“ Der Mann zeigte auf die Klatschpappen in meiner Hand. Wir antworten freundlich, dass er einfach 500 Meter gehen soll und dann irgendwann der Stand kommt.

Es folgten zum zweiten Mal die 48 Treppen zum Oberrang, dort angekommen gingen alle nochmal fix auf die Toilette und ab auf die Plätze. Mittlerweile war der Innenraum nämlich auf und wir suchten unsere Plätze. Noch eine Stunde bis zum ersten Spiel, noch 3 Stunden und 45 Minuten bis zum wichtigsten Spiel des Tages. Die Tribünen füllten sich und auch unsere Grün-Rote Wand entstand. Schon vor dem Spiel waren laute „SSSSCCCMMM“ in der Halle deutlich zu hören. Kleine grüne Blöcke beobachtete man in der ganzen Halle. Auch bei unseren Gegnern, dem Bergischen HC, fand man den oder anderen SCM-Fan wieder.

„Lieber Flensburg als die Löwen“

Die Stimmung im grün- roten Block war gut und der allgemeine Tenor war auch für eine Unterstützung der Flensburger, dass das ein Fehler war zeigte sich erst später. Der erste Pfiff der beiden Schiris aus Sachsen Anhalt, Geipel/Helbig, ertönte und das Final Four begann. Wir sahen 60 Minuten packenden Handballsport, eine immer wechselnde Führung und am Ende einen Anders Eggert mit unglaublicher Nevenstärke. Beim Stand von 25:26 aus Flensburger Sicht und noch 3 Sekunden zu spielen, trat er an den Siebenmeterpunkt. Das was jetzt kam war unfassbar, ein lockerer Heber über den Torwart der Löwen, der Ausgleich und die Verlängerung. In genau diese kamen die Löwen auch wieder besser rein, führten schnell mit 2 Toren, aber Flensburg ließ sich nicht abschütteln. Mit Beginn der zweiten fünf Minuten der Verlängerung erzielten die Flensburger wieder den Ausgleich. Was dann folgte, war ein typischer Matthias Andersson (meiner Meinung nach immer noch der aktuell beste Torhüter der Welt). Er hielt drei der sieben Würfe auf sein Tor und sicherte der SG damit den Einzug ins Finale.


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Endlich Grün-Rot, endlich unsere Magdeburger Jungs auf dem Parkett

Die Zeit war gekommen, wir näherten uns 17:45 Uhr. Während die Löwen-Fans trauerten, bereiteten wir uns lautstark auf unser Spiel vor. Endlich der Anpfiff. Aber was jetzt zu sehen war, war alles andere als eine überzeugende Leistung unserer Jungs. Mit Glück ging es beim Stand von 14:15 aus unserer Sicht in die Pause. „Wir brauchen endlich eine Abwehr“, war einer der treffendsten Sätze meiner Halbzeitgespräche. Ich holte mir fix ein „Alsterwasser“, wie man hier zu sagen pflegt, es kostete stolze 4,30€, aber was soll‘s. Halbzeit zwei begann vielversprechend. Die Mannschaft schien endlich ausgeschlafen, Abwehr und Torhüter begannen zu funktionieren und man setzte sich bis auf vier Tore ab. Im SCM-Block hatte man die Hoffnung, dass es die erhoffte leichte Partie wird, aber wer glaubte dass es einfacher werden würde, wurde getäuscht. Der BHC kämpfte sich zurück und das Spiel blieb bis zum Ende offen. Noch 35 Sekunden, unsere Jungs am Ball, Spielstand 29:29, der Pfiff. Siebenmeter für den SC Magdeburg, und wieder trat unser Rechtsaußen Robert Weber an. Ich selbst konnte nicht hinschauen, war es doch gerade Robert, dem immer mal wieder im entscheidenden Moment die Nerven versagen. Ball gehalten, noch 30 Sekunden und wir mussten alles mit ansehen. Mittlerweile unterstützten die SG-Fans unseren Gegner, und das obwohl wir die Flensburger unterstützt hatten. Der BHC machte Gebrauch von seiner letzten Auszeit. Anpfiff, noch genau 30 Sekunden auf der Uhr, der BHC passte den Ball hin und her, und am Ende war es deren Rechtsaußen, der frei zum Wurf kam, Dreher, Luft anhalten, am Tor vorbei. Verlängerung! Was sich dann abspielte war eine Kopie des ersten Halbfinales. Die Löwen, diesmal die Bergischen, kamen besser rein, führten, aber unsere Jungs kämpften, wollten den Sieg jetzt unbedingt. Halbzeit, 1 Tor vor SCM. Noch fünf Minuten zittern, mitfühlen und bei mir fünf Minuten Gänsehaut. Jetzt war es unser Keeper, Dario Quenstedt, der einige BHC-Würfe abwehren konnte und am Ende gewannen unsere Helden mit 33:36. Die Fans feierten, freuten sich mit der Mannschaft und sind nun gespannt auf den Tag des Finales. WIR WOLLEN GESCHICHTE SCHREIBEN.

1 Kilometer pro Stunde zu wenig und der zweite Weg zum Auto

Der klingelnde Wecker beendete die Nacht, es war 10 Uhr, Finaltag und in einer Stunde musste ich mein Zimmer geräumt haben. Fix duschen, das neue grün- rote Shirt übergeworfen und auf geht’s. Tasche packen, Sachen zusammen suchen, Zähne putzen und ab zur Rezeption. Bereits am Vortag hatte ich geklärt, dass ich meine Sachen noch ein Stündchen abstellen kann. Ich nutzte die Zeit für einen Spaziergang, runter kommen, bevor die große Anspannung beginnt. Bei schönstem Hamburger Sonnenschein, schlenderte ich eine Stunde lang durch eine leere Stadt, man merkte hier niemandem an, was wenige Stunden später los war.

Um 12:30 Uhr kam mein Auto, Sachen rein und Parkplatz suchen. Auch der war relativ schnell gefunden. Klatschpappen falten, zur Halle laufen und am Rahmenprogramm teilnehmen. Hier stand eine Wurfgeschwindigkeitsmessung. Wenn man genau 50 Kilometer pro Stunde wirft, darf man am Gewinnspiel teilnehmen. Ich hatte drei Würfe, einer war viel zu schnell, einer lag bei 49km/h und einer bei 51. Der Tag begann also eher mit Pech, aber wir alle waren heute grün-rote Optimisten. Als wir dann in die Halle gingen, war die erste Hürde die Rucksackkontrolle. Hier wurde uns mitgeteilt das heute keine mit in die Halle genommen werden dürfen. Mit der Ansage: „Gestern ist nicht heute“, wimmelte der eher unfreundliche Securitymann mich ab und ich ging nochmal zurück zum Auto.

Endlich in der Halle

Auf Hin- und Rückweg liefen mir ausschließlich Flensburger über den Weg. Da kam schon der ein oder andere dumme Spruch, aber die waren mir egal. Ich dachte mir meinen Teil dazu und wollte auf schnellstem Weg in die Halle. Dort angekommen schnell ein großes Getränk und noch ein wenig auf den Balkon gestellt, um das schöne Wetter zu beobachten. Ein Großteil der Menschen, die aus den Bussen stiegen und vom Parkplatz kamen war in Rot gekleidet, uns war klar, heute sind wir in der klaren Unterzahl. Doch dann ein einzelner im grüner Trikot und mein Kumpel meinte so: „Also der Typ da in dem Trikot, der seit ein bissl aus wie der Beck.“ Wir schauten allesamt nochmal genauer hin, „Das ist der Beck, komm lass uns mal klatschen.“ Er begrüßte uns mit einem Blick nach oben und winkte uns zu, also auch die Magdeburger Fußballer waren zur Unterstützung da.

Nach 20 Minuten Sonne gingen wir in die Halle, es waren noch 45 Minuten bis zum Anpfiff. Wir nahmen unsere Plätze ein, führten noch den ein oder anderen Smalltalk und warteten darauf, dass unsere Jungs endlich zur Erwärmung in die Halle kommen. Gute 25 Minuten vor Anpfiff war es dann soweit, die Jungs betraten die Halle, wir begrüßten die mit lautstarken „SSSCCCMMM“ Rufen und ich bekam das erste Mal Gänsehaut.

Der Einlauf, schon wieder Gänsehaut und wir legten los wie die Feuerwehr

Auch wenn die Flensburger in der zahlenmäßigen Überzahl waren, mehr als Klatschpappen bewegen konnten die nicht. Unsere Jungs hörten über 60 Minuten unsere Stimmen und wir peitschten sie nach vorn. Der Anpfiff, durch die beiden Unparteiischen Pritschow/Pritschow. Diese wurden nicht unbedingt herzlich vom Magdeburger Block empfangen und das hatte auch seine Gründe. Das war aber heute egal, unsere Jungs legten los wie die Feuerwehr, Jannick im Tor und eine bombenfeste Abwehr brachten die Flensburger schier zur Verzweiflung, auf der Anzeigetafel ein 1:5 und jedes Tor der Grün-Roten wurde gefeiert wie das entscheidende. Die Jungs lieferten Kampf, wollten diesen Pokal unbedingt mit nach Hause nehmen. Robert traf am laufenden Band, ob aus sieben Metern oder von Rechtsaußen, Micha Dammgard kämpfte sich immer wieder Klasse durch und hinten wurden der Reihe nach die Bälle geholt. Mit 12:14 ging es in die Halbzeit.

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Halbzeit Zwei, einfach alles klar machen, und der „Schwedenmoment“

Die einzige Konstante der bisherigen Saison war die Inkonstanz der Jungs, sie schafften es in nur wenigen Spielen von Anfang bis Ende konzentriert das Ding über die Bühne zu bringen. Anders heute, die Jungs waren heiß wie Frittenfett. Dann die 40.Minute, Finn Lemke ist frei durch mit dem Ball und der halbe Block hörte auf zu atmen. Drin, der ist drin, ich denke jeder, wirklich jeder im Block musste an das EM Spiel gegen Schweden denken, es war der berühmte „Schwedenmoment“.

Flensburg versuchte es mit einer offensiveren Abwehr, nahmen zwei unsere Jungs in Manndeckung, aber auch das schreckte sie nicht ab. Spätestens in dem Moment, als Matze Musche den Ball aus neun Metern versenkt, war allen klar, das kann heute eigentlich gar nicht schief gehen. Bereits zwei Minuten vor Schluss war dann auch allen klar, das reicht heute. Unserem Kreisläufer Zejlko Musa war es dann vorbehalten das letzte Tor des Spiels zu machen. 32:30, und der Party begann. Der gesamte Block war erlöst, 3000 Magdeburger feierten den Sieg und die letzte Gänsehaut des Tages, als unser Kapitän Fabian „Tulpe“ van Olphen den Pokal in die Luft stemmte, die passende musikalische Untermalung dafür war klar, „We are the Champions“.

In 2 Stunden und 15 Minuten zurück nach MD und eine fette Party am Mückenwirt

Nach der ganzen Feierei machten wir uns dann schell auf dem Weg zum Auto, das Wochenende hat geschlaucht, wir wollten fix nach Hause. Aber für mich war im Auto schon klar, nachher geht es noch zum Mückenwirt. Angekommen, Tasche weg gepackt und ab in die Bahn.

Um 22:30 Uhr war es dann auch soweit, der Mannschaftsbus kam um die Ecke und unsere Jungs wurden minutenlang gefeiert. Unser Einheizer Stephan Michme holte alle einzeln aus dem Bus, sie klatschten mit uns ab und die Feier ging auf der Bühne weiter.

„Ein Bennet Wiegert, es gibt nur ein Bennet Weigert“, schallte es über den gesamten Platz als unser Trainer das Mikro in die Hand nahm, die obligatorische Bierdusche der Jungs und die Dankesrede des Trainers. Am Ende bleibt zu sagen, es war eine klasse Party am, die Jungs nahmen sich Zeit für ihre Fans und jeder war für ein Foto oder ein Gespräch zu haben. Das geilste Gefühl des Abends, war den Pokal einmal in der Hand zu halten, auch das ermöglichten uns die Jungs.

Danke Jungs, ihr seid die besten!

Fotos: Privat / Nothing else. But Handball

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