“Zunächst mal war es ein Schock”

Eingetragen bei: 1 FC Magdeburg, Interviews | 0

Niklas Brandt hat einen äußerst aufwühlenden Sommer hinter sich. Am Anfang der Vorbereitung wurde bei dem defensiven Mittelfeldspieler eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert. Brandt musste operiert werden, sogar das Karriereende stand im Raum. Am vergangenen Sonntag feierte er im Derby gegen Halle nun sein Pflichtspiel-Comeback und servierte sogar die Vorlage zum Siegtor. Im Interview mit elbsport.com spricht der 23-Jährige über die schwierige Zeit, seinen aktuellen Fitness-Zustand und den Sieg gegen seinen Ex-Verein.

elbsport.com: Hallo Niklas. Nach einer Knochenhautentzündung, die dich monatelang außer Gefecht gesetzt hat, einer in der Sommerpause diagnostizierten Herzrhythmus-Störung und anschließender OP hast du am letzten Sonntag ausgerechnet gegen den Ex-Verein dein Pflichtspiel-Comeback gegeben. Du wirst in der 74. Minute eingewechselt, bereitest das Siegtor vor – wie fühlt sich das an?

Niklas Brandt: Es fühlt sich gut an. Ich bin natürlich sehr froh, dass ich wieder fit bin und auch Einsatzzeit bekommen habe. Das war ein sehr besonderes Spiel, umso glücklicher bin ich, dass wir es für uns entscheiden konnten.

elbsport.com: Wie geht es dir gesundheitlich? Wird dein Herz noch regelmäßig untersucht?

Brandt: Also fit bin ich. Untersuchungen habe ich jetzt nicht mehr. Solange ich keine Probleme habe, muss ich auch nicht zum Arzt gehen. Ich bin komplett fit, das einzige was noch fehlt, ist natürlich die Praxis.

elbsport.com: Die Diagnose „Herzrhythmusstörung“ ist nicht alltäglich. Sind die Beschwerden in diesem Sommer erstmals aufgetreten, oder gab es schon davor Hinweise, dass irgendetwas nicht stimmen könnte?

Brandt: In der Kindheit und der Jugend habe ich eigentlich nie etwas gemerkt. Das erste Mal, dass ich darauf aufmerksam wurde, war vor ungefähr drei Jahren. Da ist es aber nach einem Infekt aufgetreten, also dachte ich, dass das der Grund wäre. Danach kamen die Symptome nur immer mal wieder sporadisch vor, also alle paar Monate, und waren dann wieder weg.

In der Sommervorbereitung trat es dann aber in den zwei Wochen gleich drei, vier Mal auf. In so einem kurzen Abstand hatte ich das noch nie erlebt. Ich habe mir also so einen Stick einbauen lassen, der die Herzströme aufnimmt. Zum Glück – sonst hätte man nicht herausgefunden, was ich habe. In den Belastungs- oder Ruhe-EKGs hat man das nämlich nie gesehen, weil es ja nur sporadisch auftrat. Mit dem Stick hat man dann aber aufzeichnen können, dass ich eine Herzrthythmusstörung habe.

elbsport.com: Ob du je wieder zum Leistungssport zurückkehren könntest, war ungewiss. Wie war die Zeit für dich? Wie bist du mit der Unsicherheit umgegangen?

Brandt: Zunächst mal ist es natürlich ein Schock, wenn man eigentlich täglich Leistungssport treibt und dann nach 23 Jahren hört, dass man Herzrhythmusstörungen hat. Die Ärzte haben aber gleich gesagt, dass es nichts lebensbedrohliches ist. Das war für mich erst mal das wichtigste, weil ich nicht wirklich Lust hatte, irgendwo plötzlich umzukippen. Laut den Aussagen der Ärzte standen die Chancen auch relativ gut, dass ich nach der OP wieder einsteigen kann. Ich habe dann auch schnell einen Termin in Leipzig bekommen. Für die Ärzte war das glaube ich auch kein Rieseneingriff – die machen da  ganz andere Sachen mit dem Herz. Trotzdem gibt es natürlich Angenehmeres. Es hätte aber auch etwas schlimmeres sein können, wo die Ärzte dir sagen: „Pass mal auf, Leistungssport ist nicht mehr“, und das war bei mir nicht der Fall. Da wurde die Störung behoben und jetzt bin ich froh, dass ich wieder voll mitmachen kann.

elbsport.com: Nach den nervenaufreibenden Wochen brauchtest du kaum Zeit, um wieder voll im Training dabei zu sein. Warum ging das so schnell?

Brandt: Ich habe ja die ersten 10 Tage mittrainiert. Und die ersten zwei Wochen sind auch meistens die anstrengendsten. Du hast da die ganzen Läufe und Trainingseinheiten. Also war ich zu dem Zeitpunkt eigentlich schon auf einem guten Fitness-Level. Bevor die richtige Vorbereitung anfing, habe ich auch selber Läufe gemacht. Die erste Woche nach der OP durfte ich nichts machen, weil die Leisten verheilen mussten. Dann habe ich in der zweiten Woche aber schon wieder extrem viel Läufe gemacht. Von der Fitness her war es also gar nicht so schlimm, dass ich die Woche Pause hatte. Wie gesagt, ich fühle mich jetzt fit, das einzige was noch fehlt, ist die Praxis. Jeder Fußballspieler weiß, dass Training und Spielpraxis zwei ganz andere Sachen sind.

elbsport.com: Mit Marius Sowislo und Jan Löhmannsröben, die in den bisherigen Partien von Anfang an gespielt haben, sowie Sven Reimann, Torge Bremer und dir ist das defensive Mittelfeld bestens besetzt. Wie siehst du die Qualität und Konkurrenzsituation auf deiner Position?

Brandt: Konkurrenz belebt natürlich das Geschäft. Ich denke, wir haben allgemein im Kader eine sehr hohe Qualität. Ich freue mich, wieder fit zu sein, und ich werde auch wieder meine Spiele machen. Die eine oder andere Einsatzminute brauche ich natürlich noch, aber ich bin guter Dinge. Ich habe keine Angst oder scheue mich. Wenn ich fit bin und meine Leistung bringe, werde ich meine Spiele machen. So viel Selbstvertrauen habe ich, um das sagen zu können. Ohne Qualität im Kader wirst du dich nicht in der dritten Liga halten. Die Männer 15 bis 18 müssen auch ordentlich sein, sonst wird das natürlich nichts. Das haben wir hier in der Mannschaft und da freue ich mich drauf.

elbsport.com: Kommen wir noch einmal zu dem Siegtor gegen Halle. Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du den langen Ball auf Christian Beck gespielt hast?

Brandt: Das ist instinktiv passiert, ich hatte da nicht so viel Zeit zum überlegen. Ich habe gesehen, dass Beckus relativ frei stand im Eins gegen Eins. Ich wusste auch, dass Engelhardt nicht der schnellste ist. Die haben relativ hoch verteidigt, der Raum war komplett offen und dann habe ich den reingespielt.

Ich habe mich tierisch gefreut, als er den reingemacht hat. Nicht nur, weil ich die Vorlage gegeben habe, sondern einfach, weil wir in Unterzahl das 2:1 geschossen haben und das auch gegen meinen Ex-Verein, wo ja auch nicht alles “Friede, Freude, Eierkuchen” war. Das war nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für mich persönlich super. Es war auch ein verdienter Sieg. Wenn eine Mannschaft in Unterzahl so spielt und wenig zulässt und auch gute Ballaktionen nach vorne hat, dann kann man nicht sagen, dass das ein unverdienter Sieg war. Und auch wenn es unverdient gewesen wäre, wäre es mir egal. Wir haben die drei Punkte hier gelassen und darüber freue ich mich.

elbsport.com: Du sprichst an, dass während deiner Zeit beim HFC nicht alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ war. Hast du denn so etwas wie Genugtuung verspürt?

Brandt: Nein, das nicht, aber es ist ja immer so, dass wenn man gegen den Ex-Verein spielt, man von den Ex-Kollegen nicht unbedingt irgendwelche Nachrichten bekommen möchte. Es ist nichts schlimmes vorgefallen, aber ich hatte mir beim HFC schon mehr vorgestellt, hatte gehofft, dass dort alles ein bisschen besser verläuft. Deswegen: Genugtuung ist es nicht, aber ich bin froh, dass wir die drei Punkte hier lassen konnten und Halle mit drei Niederlagen und 0 Punkten nach Hause geschickt haben.

Interview: Mattis Nothacker

Foto: Oliver Wiebe

Immer aktuell

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.